Historische Recherche, eine Arbeitsbühne, speziell angefertigte Schablonen und viel Fingerspitzengefühl waren nötig, um den historischen Schriftzug der ehemaligen Dampfbäckerei Ostermann am Gebäude des Raum für Kunst e.V. im Kötterhagen, der in diesem Jahr sein 25jährigen Bestehen begeht, anzubringen.

Mit dieser Aktion erhält eins der wenigen verbliebenen Vorkriegsgebäude in der Innenstadt weitgehend sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurück.
Das Gebäude wurde 1914 als „Dampfbäckerei Ostermann“ für Friedrich Ostermann errichtet. Der „Dampf“ im Namen deutet darauf hin, dass die Maschinen mit (damals sehr moderner) Dampfkraft betrieben wurden. Am 27.03.1945 wurden die Bäckerei wie auch das Vorderhaus am Kamp bis auf die Außenmauern zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1950 bis 1952.
dampfbackerei-karte-optDer Bäckermeister und jetzige Eigentümer des Gebäudes Gerhard Ostermann arbeitete sein gesamtes Berufsleben im väterlichen Betrieb und übernahm diesen später. Bis 1990 wurde gebacken. Dann gaben Gerhard und seine Ehefrau Ludovika Ostermann das Geschäft auf, um sich dem Leben als Privatiers zu widmen.
Ende 1991 wurde das Haus unter Vermittlung des Kunstprofessors Hans Ortner als Atelierhaus und Ausstellungsort einer neuen Nutzung zugeführt. Die Künstlerinnen und Künstler der 1. Generation rekrutierten sich einerseits aus Studenten der Uni Paderborn und andererseits aus Künstlerinnen und Künstlern aus dem Umfeld der seinerzeit besetzten drei Gebäude in der Schäfergasse (heute Liborigalerie). Beide Gruppen besetzten damals gemeinsam die leerstehende Bonifatiusdruckerei an der Liboristraße als unabhängigen Atelierraum und waren nach der Räumung der Schäfergasse, bzw. dem Abriss des Druckereigebäudes heimatlos. In der Folge wurde der gemeinnützige Verein „Raum für Kunst“ als Träger und Mieter des Hauses gegründet, der seit nunmehr 25 Jahren mit einem breit gefächerten künstlerischen Angebot das kulturelle Leben in Paderborn bereichert.

front_rfk_in_arbeitMit der Anbringung des historischen Schriftzugs will sich die derzeitige Ateliergemeinschaft einerseits bei der Familie Ostermann für die gute und langjährige Zusammenarbeit bedanken, andererseits der Stadt eine kleine Facette des historischen Stadtbilds zurückgeben.

Am Donnerstag, den 6.10.2016 gegen 18:00 Uhr  wird der Raum für Kunst e.V. den historischen Schriftzug um 18 Uhr offiziell der Familie Ostermann und der Öffentlichkeit „übergeben“.