Olav Schiedel im Raum für Kunst
Zerbrochene Dachpfannen vom Tornado als Objekt und Material
Die Ausstellung „Scherben“ von Olav Schiedel läuft vom 20.05. bis zum 04.06.2023 im Raum für Kunst in Paderborn. Die Ausstellung ist täglich (außer montags) von 16 bis 19 Uhr geöffnet.
Der Wahl-Paderborner Olav Schiedel (49) setzt sich in seiner Malerei und grafischen Arbeiten seit Jahren mit der Frage auseinander, wie wir Menschen Gesichter in abstrakte, amorphe Formen hineininterpretieren, quasi erkennen wollen.
Nach dem Tornado sammelt er Scherben von zerbrochenen Dachpfannen, die in Paderborn noch an vielen Stellen zu finden sind, und setzt sie in einen neuen Kontext. Einzeln für Sich oder zu Skulpturen gestapelt. Die Scherben bekommen eine andere, unerwartete Bedeutung. Die Ausstellung verbindet aktuelle Stadtgeschichte und Archäologie mit einer künstlerisch-ästhetischen Auseinandersetzung mit dem Zerbrochenen.
Olav Schiedel: “Nachdem ich die ersten Scherben genauer betrachtet hatte, war ich direkt in den Bann gezogen. Interessant finde ich, in welche vielfältigen Formen dieses genormte Material zerschlagen wurde. Und dass wir auch bei einigen dieser Scherben geneigt sind, Lebendiges zu erkennen.“
„Olav Schiedel geht auf künstlerisch-dokumentarische Spurensuche, inszeniert die zerbrochenen Dachziegel als Spur des Tornados, erscheint so als Spurenleger und versetzt BetrachterInnen in die Rolle von SpurenleserInnen. Er führt fort, was KünstlerInnen der 70er Jahren begonnen haben. Indem Spuren gesammelt, neu formiert, transformiert und in künstlerische Kontexte gesetzt werden, berührt Olav Schiedel wie künstlerische SpurensicherInnen erster Generation kulturanthropologische Fragestellungen“, sagt Svenja Langer, Vorsitzende vom Raum für Kunst e.V., die diese Ausstellung kuratiert. „Die Spur als künstlerisches Ausdrucksmittel bildet das Forschungsthema meines laufenden Dissertationsprojekts. Olav Schiedel ist Spurensicherer zweiter Generation und die Ausstellung ‚Scherben‘ zeigt unvermittelt, welche künstlerischen Ausdruckspotenziale sich hinter der Spur verbergen. Durch die künstlerische Verarbeitung der Fundstücke arbeitet er das traumatische Erlebnis vergangenen Jahres auf, welches uns alle betrifft.“
Das Programm am 20.05.
Um 18:30 Uhr gibt es einen spirituellen Impuls von Gerhard Kilz.
Um 19 Uhr startet dann die offizielle Vernissage mit diversen Redebeiträgen.
Ab 20 Uhr präsentiert Alexander Wilß live die Klanginstallation zu der Ausstellung.
Während der Ausstellung können die BesucherInnen ihre eigenen Erinnerungen an den den 20.05.2022 festhalten. Auf einer großen Wandkarte kann der eigene Standort während des Tornados markiert werden. Zusätzlich steht eine kleine Fotobox für eigene Aufnahmen von bereitliegenden Scherben bereit. Mit dem Sammeln der Erinnerungen an den Tornado wird die nächste Stufe der Auseinandersetzung mit dem Tornado vorbereitet. Olav Schiedel: „Das Sammeln der Spuren, ob Scherben oder Erinnerungen, ist unheimlich faszinierend. Das wir jetzt während der Ausstellung Zeitzeugenberichte auch für das Stadtarchiv sammeln können, freut mich umso mehr.“
Ein besonderes Anliegen ist es für Olav Schiedel, nochmal auf die Spendenaktion zugunsten von Kim Tuyen* hinzuweisen. Die dreifache Mutter wurde während des Tornados von einer Dachpfanne am Kopf getroffen und musste notoperiert werden. Weitere Operationen folgen. Um die existenzbedrohende Situation der Selbstständigen zu entschärfen, die seit der Katastrophe ohne Einnahmen ist, haben die Paderborner Bürgerschützen eine Spendenaktion gestartet. Das Projekt „Scherben“ will diesen Spendenaufruf unterstützen.
Hilfe für Kim Tuyen*
Unterstützungsverein des Paderborner-Bürger-Schützenvereins
IBAN: DE 34 4765 0130 1800 0799 39
Verwendungszweck „Hilfe Kim Tuyen“
*Der Nachname wird auf Wunsch der Familie nicht veröffentlicht.
Wer eine Zuwendungsbestätigung benötigt, welche der Verein selbstverständlich ausstellen kann, sollte neben dem Namen auch die Anschrift im Verwendungszweck der Überweisung angeben.
Sämtliche Spenden werden in voller Höhe an die verletzte Frau weitergegeben. Olav Schiedel spendet die Hälfte der Gewinne aus dem Verkauf von den limitierten Fineart-Prints sowie des Katalogs.
Die Ausstellung wird unterstützt von der Bürgerstiftung Paderborn und der Bank für Kirche und Caritas.
Der Katalog
Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog. Auf 72 Seiten sowie einer beigelegten Faltkarte werden 28 Exponate der Ausstellung „Scherben“ abgebildet und die Fundstellen innerhalb von Paderborn zugeordnet.Neben den Texten von Olav Schiedel gibt es unter anderem Beiträge von Svenja Langer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Paderborn im Lehrstuhl Kunst und ihre Didaktik, Schwerpunkt und Bildhauerei und Patrick Albert, Wissenschaftlicher Volontär in der LWLStadtarchäologie Paderborn.
Erwin Grosche, der sich auch mit einem Beitrag an dem Katalog beteiligte, hat mit als erster ein Exemplar erhalten und ist mit dem Gesamtergebnis zufrieden: „Schön, dass sich jemand um die Scherben kümmert und sie zusammensetzt, auf dass man nie das GANZE vergisst und trotzdem auch die Wichtigkeit der Reste schätzt.“
Der Katalog zu der Ausstellung erscheint im Lektora-Verlag unter der ISBN: 978-3-95461-248-2 und wurde vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gefördert.



