Pidorussia: Ausstellung im Raum für Kunst Paderborn
Pidor (Пидор): aus dem Russischen übersetzt bedeutet dieses Wort etwas wie Schwuchtel. Was auf Deutsch schon gemein und diskriminierend ist, wird in russischsprachigen Ländern als ein Schlagwort der systematischen Unterdrückung von queeren Menschen verwendet.
Auch hier in Deutschland begegnet uns Hass und Ekel. Bei Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Osten ist es vor allem die eigene Familie, die die erste Berührung mit Homophobie darstellt. Es ist nicht bloß das fehlende Verständnis für unsere Sexualität, sondern die aktive Aversion gegenüber allem, was von Heteronormativität abweicht. Ein Russe kann kein Pidor sein. Und so wird es auch in den Alltagsmedien suggeriert: Menschen mit postsowjetischem Hintergrund werden nie als Teil der LGBTQ dargestellt, obwohl viele es sind und im Laufe der Geschichte auch schon immer Akteure der Gesellschaft waren. Gerade im Kreis Paderborn, wo viele junge Menschen mit kultureller Bindung an den postsowjetischen Raum leben, versuchen wir öffentlich für unsere Erfahrungen einzustehen in einen Dialog mit unserer Umwelt zu treten.
In der Ausstellung Pidorussia möchten wir die Dinge, die schwer in Worte zu fassen sind, vokalisieren. Wir wollen das Zusammentreffen von Welten beschreiben. Die Vermengung von Kulturen, die jeder aus seinem persönlichen Blickwinkel völlig individuell betrachtet, auf eine Art darstellen, die alle erreichen kann. Durch das Beispiel unseres spezifischen Falls wollen wir Zustände aufgreifen, die gewiss viele Individuen unserer Gesellschaft betreffen. Wie fühlt es sich an, zwischen zwei Welten zu stehen? Seiner Familie nicht die eigene Identität offenbaren zu können? Wie fühlt es sich an, emotional an eine Heimat gebunden zu sein, die die eigene Lebensweise nicht akzeptiert? Kann man eine solche Heimat trotzdem vermissen und lieben? Wie fühlt sich Enttäuschung an, Angst, Scham? Wie fühlt sich Harmonie zwischen dem Alten und dem Neuen an?
Obwohl unsere Thematik von politischen Spannungsfeldern gelenkt ist, führt der Blick unserer Werke viel mehr zu den persönlichen Aspekten. Es ist eine intime Auseinandersetzung mit sich selbst und den aus den intersektionellen Sphären unserer Entwicklung entstandenen Schwerpunkten in unserer Kunst.
Durch die Hypervernetzung in unserer Gesellschaft trifft man auf diverse Kulturen und Menschen. Wir leben gemeinsam und formen gemeinsam unsere Straßen, Städte und Länder. Deshalb sind auch Sie ein Teil von uns, und wir von Ihnen. Daria und Nicky, queere Künstler*innen und Studierende der Uni Paderborn, laden Sie herzlich dazu ein, an unserem kleinen Einblick in diese kunterbunte Welt teilzunehmen. Besuchen Sie uns vom 27.04.24 bis zum 05.05.24 im Raum für Kunst. Unsere Türen im Kamp 21 haben Montag bis Freitag 15-18:00 und Samstag bis Sonntag 12-18:00 für Sie geöffnet.
Kultur ist formbar! Wir freuen uns auf Sie.
Ort: Raum für Kunst e.V., Kamp 21, 33098 Paderborn
Veranstalter*innen: Nicky und Daria
@baba.dascha
@nicky.and.art
Ausstellungseröffnung : 26.04.2024 um 18 Uhr
Öffnungszeiten:
27.04.24 bis zum 05.05.24 im Raum für Kunst.
Montag bis Freitag 15-18:00 und Samstag bis Sonntag 12-18:00

