Oft sehen wir, in der so schnelllebigen Welt, nicht mehr, was neben uns geschieht. Wir verlernen, wie man mit den Nebenuns kommuniziert und sich in andere hineinversetzt. Wir passen uns gleichzeitig an große Ziele und „Persönlichkeiten“an und verleugnen unser eigenes Ich und unsere Nachbarn dabei. Wir gehen aktiv dabei gegen sie vor, ohne sie zu kennen.

Bei Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Osten ist es vor allem die eigene Familie, die die erste Berührung mit Hass und verbundener Homophobie darstellt. Es ist nicht bloß das fehlende Verständnis für unsere Sexualität, sondern die aktive Ablehnung gegenüber allem, was von „traditionellen Normen“ abweicht.

Durch das Beispiel meines spezifischen Falles möchte ich zeigen, dass die Gefühle des nicht dazu gehören bzw. auchAbneigung ganz normal sind, man jedoch auch dagegen vorgehen kann. Gerade im Kreis Paderborn, wo viele junge Menschen mit kultureller Bindung an den postsowjetischen Raum leben, versuche ich, öffentlich für meine Erfahrungen einzustehen und in einen Dialog mit meiner Umwelt zu treten. 

Ich beantworte in meiner Ausstellung die Fragen:

– Wie queer war der russischsprachige Raum Anfang der 2000er?

– Was bestimmt das Leben einer Person mit Migrationshintergrund zweiter Generation?

– Wie ist es, zwischen „zwei Welten“ zu leben?

– Was hat Migration aus dem Osten mit dem Westen zu tun?

– Kann dein Zuhause ein Ort sein, an dem du nie warst?

– Wie kann man Queer Studies und Post-Ost Forschung gemeinsam verbinden?

Wir leben gemeinsam und formen gemeinsam unseren Lebensraum. Ich, queere Kunst schaffende Person und Studierender der Uni Paderborn, lade Sie herzlich dazu ein, einen kleinen Einblick in die Welt ihrer benachbarten Personzu werfen und in einen Dialog mit mir zu kommen, vom 17. Oktober bis zum 26. Oktober im Raum für Kunst.

Am 17. Oktober um 18 Uhr findet die Vernissage mit mehreren Sprecher*innen statt, die von ihren eigenen Erfahrungen vom Anpassen und Verleugnen berichten.

Am 26. Oktober um 15 Uhr findet die Finissage statt, mit einem Künstler-Talk, bei dem ich auf den Prozess und die Gedanken meiner einzelnen Werke eingehen werde und Leute mir Fragen stellen können.